Piwi-Weine: Ein Weg zum nachhaltigen Weinbau

Piwi-Weine: Ein Weg zum nachhaltigen Weinbau

Vor allem in nördlich gelegenen Weingegenden, die eine höhere Feuchtigkeit aufweisen, sorgen Pilze und andere Schädlinge für große Probleme. Pilzwiderstandsfähige Rebsorten wurden entwickelt, damit die Reben besser gegen Krankheiten wie den echten Mehltau (Oidium) und den falschen Mehltau (Peronospora) geschützt sind. Doch nicht nur Krankheiten belasten die Rebpflanzen, es ist auch ein sich wechselndes Klima, dass die Winzer vor immer größere Aufgaben stellen. Die Entwicklung einer PIWI Rebsorte ist langwierig und nur wenige Exemplare schaffen es zum Erfolg. Gründe gibt es derlei viele, doch zählen die geringe Nachfrage am Markt und die hohen Ansprüche der Weinbauern an Qualität und Aroma, zu den größten Hürden.

Die Gründe für die Entstehung von PIWI Rebsorten

Weinbau wird in manchen Teilen von Europa schon seit Jahrtausenden betrieben. Jedoch war dieser bis zu der Mitte des 19. Jahrhunderts ein ganz anderer, als man ihn heute kennt. In vielen Teilen Europas war es gang und gäbe, dass diverse Rebsorten in einem Weingarten vorkamen. Zudem wurden die Rebpflanzen händisch nach der Methode „Sélection Massale“ vervielfältigt. Dabei wurden ausgewählte Rebstöcke durch ihre besonderen Eigenschaften (Ertrag, Resistenz, Wachstum, usw.) ausselektioniert und als Mutterreben“ verwendet. Natürlich ist es fraglich, ob die Qualität der Weine immer gewährt war. Jedoch ist es unbestritten, dass die Biodiversität weitaus höher war und dadurch den Boden und die Pflanzen natürlich stärkte. 

Drei verheerende Katastrophen änderten den europäischen Weinbau grundlegend. Durch den Fortschritt der Technik und der Globalisierung gelangen Waren immer schneller über die Ozeane. 1838 schaffte es der Segeldampfer Sirius erstmals in nur 18 Tagen über den Atlantik. Die verkürzte Reisezeit hatte zur Folge, dass Schädlinge den Transport überlebten. 1845 trat erstmals der echte Mehltau auf, 1868 wurde die zerstörerische Reblaus eingeschleppt und 1878 erreichte auch der falsche Mehltau das europäische Festland. Schon damals wurden Rebsorten gezüchtet, und die Auswahl war immens. So umfasste damals die Rebenzüchtung bis zu 1000 Stück von 20 verschiedenen Züchtern. In Frankreich war bald ein Drittel der gesamten Rebfläche (ca. 400 000 Hektar) mit solchen Sorten bepflanzt. Die Entwicklung nahm aber ein abruptes Ende, als man die Pilzbekämpfungsmittel Kupfer und Schwefel entdeckte. Um die Pflanzen vor der Reblaus zu schützen, verband man die europäischen Rebsorten mit amerikanischen Wildrebenwurzeln. Zusätzlich wurden in manchen Ländern Gesetze zu den Einschränkungen von Neuzüchtungen eingeführt, allen voran in Frankreich. Dadurch sank das Interesse an resistenten Rebsorten.
Die genannten Schwermetalle sind bis heute noch die einzige Lösung gegen den echten und falschen Mehltau, besonders für den biologisch-organischen Weinbau. Die Veränderungen im konventionellen Weinbau waren durch die Industrie immense. Nicht nur, dass man von einer Polykultur zu einer geklonten Monokultur wechselte, auch die im 20. Jahrhundert geführten Kriege brachten weitreichenden Veränderungen. Die Erfindung des Kunstdüngers, ein Resultat aus der Kampfstoffproduktion, fand große Beliebtheit unter den Winzern. Durch die regelmäßige Düngung wachsen die Wurzeln der Reben am Oberboden. Diese Bemutterung führt zu schwächeren Pflanzen, die krankheitsanfälliger für Pilze und Schädlinge jeder Art sind. Eine Rebpflanze muss kämpfen und tief wurzeln, um ausdrucksstarke Weine zu erzeugen. Ein weiterer Effekt des Kunstdüngers ist die Verringerung der Biodiversität im Boden. Der Dünger verringert die Anzahl an wertvollen Mikroben, die lebensnotwendig für die Gesundheit des Bodens sind, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass Unkraut vermieden wird.  Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurde immer mehr mit Herbiziden, Pestiziden und Fungiziden gearbeitet. 

Das stetig wechselnde Klima ist ein weiterer Faktor, welches den Weinbau beeinträchtigt. Durch steigende Temperaturen und extreme Schwankungen im Niederschlag zeichnen sich immer größere Schäden ab. Allein das Jahr 2022 sorgte für Frostschäden in Frankreich, Hagelstürme in Österreich, Überschwemmungen in Deutschland und Waldbrände in Griechenland. Südliche Weinbaugebiete rund ums Mittelmeer litten unter weniger Niederschlag und höheren Temperaturen sowie starker Sonneneinstrahlung. Weinbaugebiete in Mitteleuropa produzieren heute schon üppigere Weine mit höherem Alkoholgehalt und weniger Säure. Gebiete wie die Champagne haben schon vor Jahren begonnen Land in Südengland zu kaufen, um auch in den nächsten Generationen noch Schaumwein erzeugen zu können. Auch das nördliche Europa baut bereits erfolgreich, teils mit PIWI Rebsorten, Wein an.

Ein verändertes Bewusstsein in den letzten Jahrzehnten sorgte dafür, dass Qualität und Nachhaltigkeit eine viel wichtigere Bedeutung erhielten. Strengere Gesetze von der EU und auf nationaler Ebene schränken die Chemie im Weingarten ein und Pipi Weine erfreuen sich immer größer werdenden Popularität. 
PIWI Reben sind ursprünglich Kreuzungen zwischen Vitis Vinifera (europäische Reben) mit anderen Stämmen der Vitis (amerikanische und asiatische Reben) Pflanzenfamilie. Durch gezielte Kreuzungen können hervorragende Eigenschaften generiert werden, um eine hohe Weinqualität zu gewährleisten. Damit man solche Ergebnisse erreicht, benötigt man vor allem Geduld. Ein Beispiel des staatlichen Weinbauinstituts Freiburg gibt einen kleinen Einblick über die Züchtung von PIWI Reben. Im März wurden 1700 Traubenkerne ausgesät. Jeder Kern stellt eine eigene Sorte dar. Von diesen entwickelten sich 1100 zu Sämlingen, die mit zwei verschiedenen Mehltaupilzen infiziert wurden. Nach der Infizierung mit dem „Falschen Mehltau“ blieben 110 Pflanzen und nach dem Besprühen mit „Echten Mehltau“ 30 Kandidaten übrig. Die überlebenden Reben werden zur weiteren Beobachtung im Freiland ausgesetzt. Nun müssen bis zu zehn Jahre abgewartet werden, um einen ersten nennenswerten Ertrag zu erhalten. Erst mit einem entsprechenden Traubenertrag kann die Weinqualität abgeschätzt werden. Nun werden weitere Kreuzungen und Tests durchgeführt. Bis zur schlussendlichen Zulassung kann die Zucht einer neuen PIWI Rebe über 25 bis 30 Jahre dauern. Zu den bekannten und erfolgreichen Vertretern der PIWI Rebsorten zählt der in Deutschland sehr beliebte Regent.



Auch wenn sich die Qualität der PIWI Reben verbessert hat, gibt es immer noch Vorbehalte gegenüber pilzwiderstandsfähigen Sorten in der EU. Ein Hauptargument der Gegner von PIWI Rebsorten ist, dass die Pflanzen genetisch mit amerikanischen oder asiatischen Wildreben vermischt werden und so keinen Qualitätswein erzeugen könnten. Besonders in Frankreich ist das Thema sehr sensibel. Zudem hält sich noch das Vorurteil, dass PIWI Rebsorten mit einer amerikanischen Kreuzung, einen sogenannten Fox-Ton enthalten. Dieser wird im Wein als unangenehmer moschusartige, erdige und süßlicher Geruch beschrieben und ist eine Besonderheit der amerikanischen Reben. Im südlichen Burgenland in Österreich findet man solche Weine unter den Namen Uhudler.


Nichtsdestotrotz gibt es schon zahlreich Züchter auf der ganzen Welt, die unter Beweis stellen, dass PIWI Weine unbestritten grandiose Qualitätsweine sein können. Am meisten findet man diese in Deutschland in Geisenheim, Siebeldingen und Freiburg und in Österreich in Klosterneuburg und Eisenstadt. Auch in der Schweiz, Ungarn, USA und Kanada forscht man an neuen Rebsorten.


Welche Bedeutung haben die neuen robusten Rebsorten (PIWI) für den Weinbau?


PIWI Rebsorten sind echte Helden im Weinbau. Durch ihre natürliche Robustheit ermöglichen Sie den Winzern den Einsatz von Spritzmittel um 80 % bis zu 90 % zu reduzieren. Das heißt, dass ein Winzer nur noch 1-3-mal im Jahr spritzen muss, statt bis zu zehnmal bei herkömmlichen Sorten. Ganz ohne Spritzen wird es leider nicht funktionieren, weil Pilze sich mit der Zeit anpassen und einen Weg finden, um die Schutzmechanismen der Rebe zu umgehen. Durch den reduzierten Einsatz von Spritzmitteln werden Pflanzen und Boden weniger belastet. Dies fördert in weitere Folge die Entwicklung des Bodenorganismus und der Pflanzen. Zudem führen weniger Traktorfahrten zu einer verminderten Bodenverdichtung und einem reduzierten CO2-Ausstoß.



Die Züchtung von PIWI Rebsorten ist entscheidend für die Bildung von resistenten Eigenschaften. Je mehr und, umso besser diese verbunden werden, desto höher ist die Abwehrkraft gegen Pilzerkrankungen. Resistente Rebsorten weisen eine dickere Wachsschicht auf der äußersten Zellschicht (Epidermis) auf als ihre europäischen Verwandten. Dadurch fließt auch das Regenwasser schneller ab. Außerdem findet man einen höheren Siliziumgehalt (in Form von Kieselsäure), die der Zellwand eine höhere Härte und Stabilität verleiht. Dadurch ist es für Pilzsporen bei PIWI-Reben schwerer einzudringen und auszutreiben. Die Blätter von „natürlich gesunden“ Rebsorten sind in ihrer Struktur uneben und oft behaart, dadurch rinnt das Regenwasser schneller ab. Falls es doch mal vorkommen sollte, dass ein Pilz eindringt, dann schützt sich die Pflanze mit der Bildung eines Kallusstoffes. Einerseits wird der Zugang zur Blattöffnung verriegelt, andererseits lässt die Rebe das Gewebe um den Pilz absterben. Diesen Vorgang nennt man Nekrosenbildung. Beide Formen sind selbstzerstörerisch, weil durch beide Vorgänge die Fotosynthese nicht mehr stattfindet. Zuletzt bildet die Rebe eigene Abwehrstoffe, wie Resveratrol und Viniferin, welche die Pilze abtöten können. Zusätzlich werden von der Pflanze auch noch Stoffe wie Anthozyane (rote Farbstoffe), Polyphenole (Gerbstoffe), und vor allem Quercetin produziert, die gegen einen Pilzbefall schützen.

Sehr interessant an PIWI Reben ist der erhöhte Anteil an Resveratrol. Allgemein gilt dieses als starkes Antioxidans, welche freie Radikale im Körper bildet. Zweitens wirkt es als abweisende Schicht in Blutgefäßen und macht diese elastischer. Dadurch wird das Risiko von Herzinfarkten und Hirnschlägen geschmälert. Resveratrol mit Quercetin verhindert zusätzlich das Wachstum von Krebszellen. Studien, bei welchen Resveratrol analysiert wurde, haben darüber hinaus darauf hingewiesen, dass Resveratrol die Langlebigkeit erhöht, indem die Alterung der motorischen Systeme und Knochen vermindert wird.



Das Ziel von gezüchteten Rebsorten sollten eine spätere Blüte und Reife sein, um Frost und Hagelschäden vorzubeugen. Eine erhöhte Resistenz gegenüber Pilzkrankheiten wie dem echten und falschen Mehltau sorgen für bessere und stabilere Erträge. Die lockeren Beeren an der Traube vermeiden ein Aufplatzen der Beeren und beugen dadurch Fäulnis und Botrytis vor. Eine gute Holzreife und ein gerader Wuchs sorgen dafür, das Viren und Bakterien abgehalten werden. Die Trauben bieten die ideale Basis für einen geschmackvollen Wein mit abwechslungsreichen Aromen. Bei Ab Hof Weine haben wir ein breites Spektrum an PIWI Rebsorten aus Deutschland und Österreich. Schon unsere WhatsApp-Beratung ausprobiert? Wir freuen uns auf Dich!

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